Die Suche nach dem Realen in einer digitalen Welt

Seit es Computer gibt, machen wir als Menschheit eine Entwicklung durch, die so noch nie dagewesen ist, und mit Erfindung des Internets exponentiell zunimmt:

 

Die Durchmischung von Realität und Imagination.

 

Eine gewisse Fiktion, ein gewisses Durcheinander bringen von der konkreten Außenwelt und puren Ideen, hat es schon immer gegeben. Wir sind mit Geschichten groß geworden. Mit solchen, die reine Erfindung sind, solche, die eine Reflektion der Realität darstellen, und solche, die man als ‘Klatsch’ bezeichnet.

 

Besonders im letzteren Fall ist nicht immer klar, was denn jetzt tatsächlich der Wahrheit entspricht.

 

Meshville - Digitales Schwarz

 

Und doch… ist die Durchmischung von Realität und Imagination kaum mit dem zu vergleichen, was heutzutage normal ist und immer weiter fortschreitet.

 

Nehmen wir als Beispiel das Geld:

 

Sicher, die Anfänge des Geldes waren durchaus konkret. Man konnte das Gold und Silber anfassen, wiegen, sogar draufbeißen, wenn man denn wollte.

 

Auch das Papiergeld, wenn es denn auch eigentlich einen Schritt in die Abstraktion darstellte, lässt sich dennoch anfassen. Und war die längste Zeit an die konkreten Goldvorräte gebunden.

 

Und heute? Der größte Teil des Geldes ist nicht greifbar. Ein paar Nullen und Einsen im Computer. Niemand würde auf die Idee kommen, einen Computer auseinander zu bauen, um an das Geld zu kommen (ok, mit Ausnahme von Zoolander vielleicht). Das wäre absurd. Schließlich befindet sich nichts hinter dem Bildschirm, mit Ausnahme der Hardware.

 

Es ist Fiktion. Und doch real.

 

Von daher hat Dennis Horn vom Digitalistan-Blog des WDR schon Recht, wenn er sagt:

 

“Das Internet IST das echte Leben. Wenn ich Texte wie diesen ins Netz stelle, dann sitzen am anderen Ende der Leitung echte Menschen, die sich echte Gedanken darüber machen. Im Idealfall stoße ich damit etwas an: Meine Leser erhalten echte Argumente, die sie danach in echten Gesprächen echt nutzen können. Was im Netz so „Virtuelles“ passiert, ändert nämlich mitunter das echte Leben echter Menschen.”

 

Realität, das “echte” Leben, hat sich längst mit dem Unkonkreten der Fantasien, der Ideen, dem-was-wir-nicht-anfassen-können-und-das-dennoch-da-und-sogar-sichtbar-ist vermischt, dass man eigentlich keine Unterscheidung mehr machen kann.

 

Und doch….

 

Wir sind Menschen.

 

Über Millionen von Jahren hinweg haben wir uns auf eine bestimmte Art entwickelt und bestimmte Bedürfnisse geformt.

 

Und so kommt es, dass es nicht ausreicht, ein paar Wörter zu tippen. Es reicht nicht aus, zu skypen – auch wenn die Technik unglaublich viele Vorteile bietet und noch immer einen Schritt weiter und besser ist als telefonieren und tippen.

 

So kommt es, dass JUST travelous-Bloggerin Yvonne Zagermann schreibt: “Und manchmal, da ist es so, dass das „echte“ Leben, da draußen, so viel spannender ist, als vor dem Computer zu sitzen und Geschichten von anderen Tagen zu erzählen, wenn doch der Tag gerade jetzt, mich nach draußen ruft.”

 

Dass man mehr braucht, als einen Text-Austausch. Lieber von Angesicht zu Angesicht sprechen will.

 

Meshville - Reales Arbeiten

 

Auch Daniel Rehn vom Digitales&Reales-Blog, selbst sehr gerne auf Twitter und Co. unterwegs, sagt, es wäre ihm ein Verlangen, “diese andere Person, die man sonst nur vom Bildschirm kennt, auch einmal im realen Leben, also abseits von Screen und Tastatur [zu] erleben, [zu] sehen, mit ihr/ihm [zu] reden.”

 

Genau wie Kerstin Hoffmann, die über Unternehmenskommunikation im digitalen Wandel schreibt. Die zwar das Netzwerken über Twitter sehr schätzt, weil es so “leicht […] auf diese Weise ist, nahezu jeden zu erreichen.” Aber auch sie kommt nicht ohne nicht-virtuelle Begegnungen aus: “Ich habe über die Sozialen Netzwerke so viele interessante Menschen kennengelernt, dass ich (dienstlich) nie verreise, ohne vorher mindestens einen Termin für einen Kaffee oder ein Abendessen mit jemandem aus meinem Netzwerk zu machen.”

 

Sich ein Erdbeereis anzuschauen ist zwar schön und gut, aber nichts ist vergleichbar damit, es zu essen, zu schmecken, zu riechen, kurz, mit allen Sinnen zu genießen.

 

Und das ist es letztlich auch, was den Unterschied macht. Eigentlich weniger die Frage, ob etwas ‘echt’ oder ‘real’ ist, sondern eher die Frage, mit wie vielen Sinnen uns etwas berührt, ob es menschengerecht ist.

 

Und da schneidet das digitale Leben mit all seinen Vorzügen leider schlecht ab. Denn hier ist eigentlich nur ein Sinn aktiv:

 

Der Sehsinn.

 

Welcher zwar bei uns Menschen stark ausgeprägt ist, aber eben nicht alles ist. Ohne die anderen Sinne ist das Leben einfach nicht komplett.

 

Von daher glaube ich Futurist Gerd Leonhard voll und ganz, wenn er von einem Boom der Tourismus-Branche ausgeht und meint, dass in Zukunft echte, verkörperte Erlebnisse gefragt wären. Und in einem Interview mit der Südwest Presse sagt, dass sich sehr stark Berufe entwickeln werden, die “das Offline-Leben [pflegen], das Menschliche und […] damit die Gegenbewegung zur Digitalisierung [sind].”

 

Stichwort Gegenbewegung:

 

Ich denke, ich spreche für die meisten, wenn ich sage, dass keiner von uns die Entwicklung rückgängig machen möchte. Die Vorteile sind zu groß:

 

Wir können arbeiten, wo wir wollen, und noch dazu in Jobs, die es vor 10 Jahren noch gar nicht gegeben hat, können Kontakt halten zu Menschen, die auf einem anderen Kontinent wohnen, und können netzwerken wie nie.

 

Alles durch die Macht des Internets.

 

Doch am Ende geht es um eine gewisse Balance. Darum, auch die anderen Sinne miteinzubeziehen.

 

Sei es durch eine Reise in ein anderes Land, um dort tatsächlich zu erleben, was man vorher nur gesehen hat.

 

Sei es durch die Arbeit in einem Verein, um die volle Bandbreite des menschlichen Miteinanders auszuschöpfen.

 

Sei es durch das Arbeiten in Coworking Spaces oder Bürogemeinschaften, um neben den virtuellen Kontakten auch solche, die am selben Tisch mit einem sitzen und mit einem sprechen, zu erleben. Und zu merken, wie der ganze Körper durch die Interaktion mit tatsächlich präsenten, menschlichen Wesen aufatmet.

 

Gerade in Zeiten des Internets gibt es immer individuellere Lösungen.

 

Wie schaffst du diese Balance?

 

Hast du ein Netzwerk von Leuten, die du regelmäßig triffst? Gehst du auf Reisen und triffst so viele Menschen wie möglich, besonders diejenigen, mit denen du online Kontakt hältst?
Gehst du in ein Coworking Space, um der Einsamkeit des Home Office zu entfliehen? Oder mischst du das klassische Büro mit einer anderen Alternative? Oder hast du gar eine Coliving-WG gegründet?

 

Schreib einen Kommentar und lass es uns wissen!

 

Und falls es dich genau jetzt aus dem Haus treibt, um deine Arbeit unter Menschen zu verrichten, findest du auf MESHVILLE den zu dir passenden Space in deiner Nähe.

 

Einfach mal ausprobieren und ungeahnte neue Kontakte knüpfen, MESHVILLE bietet in der virtuellen Welt eine Vielfalt an direkt buchbaren Angeboten in der realen Welt.

 

Text von Hannah Schmitt-Samuels.
Fotos von Viktor Hanacek und AlphaLab Startup Accelerator.