Generation Y und Z – Wie kann der Arbeitsmarkt mit der Zukunft mithalten?

 

Im ersten Teil zu diesem Thema ging es vor allem darum, Generation Y und Z zu definieren und zu verstehen, wie sie ticken.
Nun stellen wir heraus, wie Unternehmen darauf reagieren können.

 

Ich denke, grundsätzlich haben wir das Problem, dass viele Leute aus älteren Generationen ein bestimmtes Weltbild und bestimmte Werte und klar für sich definiert haben, wie diese Werte umgesetzt werden sollen.

 

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Wenn man ein klar definiertes Bild hat, ist es schwer vorstellbar, dass derselbe Kern, derselbe Wert, anders umgesetzt werden kann.

 

So entsteht z.B. das Bild, dass die jüngere Generation faul sei.

 

Dabei fordern sie andere Rahmenbedingungen, unter denen sie fleißig sind.

 

Der Kern ist tatsächlich im Grunde derselbe. Auch die jüngeren Generationen wollen eigentlich nicht faul am Strand liegen und nichts tun. Dafür ist der Mensch im allgemeinen nicht geschaffen. Aber sie wollen eine andere Verpackung.

 

Die tatsächlich grundlegend anders ist.

 
Mit den Worten von Stephan-Andreas Casdorff, Chefredakteur des Tagesspiegel:

 

“Es kommt das Konservative nicht aus einer Partei, sondern, wenn es wohlverstanden ist, aus einer Geisteshaltung. Die besagt: Man muss nicht alles ändern um des Änderns willen, wohl aber muss man mitunter ändern, um das Bewährte zu bewahren. “

 

Schauen wir uns ein paar grundsätzliche, recht konservative Werte an:
 

  • Leistung
  • Familie
  • Respekt
  • Verlässlichkeit


 

Leistung spielt auch in der Generation Y eine große Rolle. Nicht umsonst gab es in den letzten Jahren eine Welle an Methoden, um effektiver arbeiten zu können und Start-Ups, die die Bezahlung nach Leistung anpassen.
Aber Leistung wird nicht ohne Sinn, ohne Motivation erbracht. Sie werden Schwierigkeiten haben, wenn Sie erwarten, dass Ihr jüngerer Mitarbeiter einfach um des Fleißes willens, einfach weil dies eine gute, hochgeachtete deutsche Eigenschaft ist, Leistung erbringt. Genauso ist es falsch zu erwarten, dass jeder als Ziel hat, die Karriereleiter empor zu klettern.
Stattdessen wird die meiste Leistung gebracht, wenn die Aufgabe, das Ziel einen packt.

 

Lernen Sie die Stärken und Interessen Ihrer Mitarbeiter so gut wie möglich kennen und geben Sie ihnen ein Mitspracherecht in der Verteilung der Aufgaben. Sie werden sehen, dass gerade die jungen Leute mit Feuer bei der Sache sind. Überstunden machen. Sich in das Thema verbeißen. Und ja, auch unbequeme Aufgaben, die nötig sind zur Erreichung des Zieles, ohne Widerwillen.

 

Das Erreichen des Zieles, das Knacken eines Problems setzt ein hormonell basiertes Hochgefühl frei, dass allein schon durchs Erfahren einiges an Motivation mit sich bringt.
Aber vergessen Sie nicht, Leistung entsprechend wert zu schätzen und zu honorieren.

 

Die Familie war schon immer ein Grundpfeiler der Konservativen, das es gilt, zu schützen und aufrecht zu erhalten.
Die jungen Generationen legen ebenfalls einen enormen Wert auf Familie. Allerdings ist eben die Verpackung anders. Anders ist, wie eine Familie aussieht. Die Rollenverteilung.

 

Schon lange ist der männliche Alleinverdiener ausrangiert. Es ist üblich geworden, dass beide Elternteile arbeiten. Aber die Familie steht noch immer an sehr hoher Stelle. Und weil es eben nicht mehr so ist, dass sich einer in Vollzeit um Kinder und Haushalt kümmert, greift diese Veränderung stark ins Arbeitsleben ein.

 

Eine gewisse Arbeitsort- und -zeitflexibilität ist erforderlich, um diesem grundkonservativen Wert auch in der neuen Form Genüge zu tun.
Daher geht der Trend zu flexiblen Lösungen, von Gleitzeit bis Home Office. Und wird auch bleiben.

 

Und während die Generation Y noch in der “Verpackungs-Übergangsphase” steckt und sich zerreißt, in dem sie auch nach Feierabend noch Emails liest und beantwortet, wird die Generation Z dem Übergang ein Ende machen. Sie wird klarstellen, dass gerade weil dieser Wert Familie so stark ist, dass Feierabend Feierabend heißt.
Die Generation Y ist noch relativ flexibel, die Generation Z fordert hingegen Struktur – aber die sieht anders aus, als vor 50 Jahren.

 

Respekt ist keine ausgemusterte Tugend, auch wenn jede Generation den Respektsverfall bei den nächstfolgenden Generationen zu bemängeln scheint (das war schon immer so).
Dabei ist den jüngeren Generationen Respekt heilig (und besonders erkennbar, wenn die Mehrheit die Pubertät verlassen hat).

 

Aber der Respekt wird anders verstanden, anders gelebt – und anders eingefordert.

 

Respekt hat nämlich nichts mit Schweigen vor der Autorität zu tun. Auch sollte man bei bestimmten Benimmregeln offener sein (die Verpackung!). Bestimmte Sitten und Gebräuche ändern sich im Laufe der Zeit. Oder wie ernst nehmen Sie heute noch den Fahnengruß? In den USA hingegen wird das Nicht-Grüßen der Fahne als äußerste Respektlosigkeit gewertet. Und meine eigene Großmutter wäre beinahe von der Schule geflogen, weil sie über das Blumenpflücken den Fahnenappell ganz vergessen hat. Eine äußerste Respektlosigkeit für damalige Verhältnisse. Heute nicht mehr nachvollziehbar.

 

Respekt sollte also nicht unbedingt in bestimmten Verhaltensregeln gemessen werden, sondern danach, wie sehr eine Person sein Gegenüber in seiner Persönlichkeit und seinen Möglichkeiten achtet.

 

Und da möchte ich behaupten, dass die Generationen Y und Z sehr gut abschneiden.
Denken Sie nur an die Vegan- und Umwelt-Bewegungen, und wie sehr diese Menschen bereit sind, auf einen gewissen, oft gedankenlosen Komfort zu verzichten, damit es anderen Lebewesen besser geht.

 

Oder schauen Sie sich ganz konkret die Jimdo-Gründer an, die laut Hamburger Abendblatt “Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Respekt, der Verzicht auf Ellenbogenmentalität, aber auch das Versprechen, das Beste zu geben” vorleben – und gleichzeitig gerne mal barfuß laufen (zumindest einer von ihnen).

 

Das Unternehmen hat einen Altersdurchschnitt von 33 Jahren und ist gut im Geschäft.

 

Anstatt Mitarbeiter nach Äußerlichkeiten zu be- und verurteilen (und wir reden hier nicht über Sauberkeit, Corporate Identity oder Verhaltensregeln im Kundenkontakt, sondern über Dinge, die sich schlichtweg über die Jahre verändert haben), wagen Sie gerne einen Blick auf den Menschen, und Sie werden Ihre Mitarbeiter nicht nur besser verstehen, sondern auch das Arbeitsklima verbessern. Die viel beschworenen flachen Hierarchien haben ihren Grund.
Und wer weiß, vielleicht verbessert sich auch Ihr Respekt gegenüber Ihren Mitarbeitern schlagartig?

 

Respekt geht in beide Richtungen.

 

Verlässlichkeit ist und bleibt eine deutsche Tugend. Dabei ist es ganz einfach: Verlässlichkeit schürt Vertrauen. Vertrauen führt zu besseren Arbeitsbedingungen – und Jobmöglichkeiten.
Auch die jüngeren Generationen haben das sehr wohl gelernt. Spätestens dann, wenn sie auf die Schnauze gefallen sind, weil sie eine Sache haben schleifen lassen, an der ihnen etwas lag.

 

Ich möchte auch hier auf die Start-Up- und Freiberuflerszene verweisen.

 

Wer nicht verlässlich ist, bekommt keine Aufträge. So einfach ist das.

 

Natürlich gibt es auch Menschen, denen man einfach nicht vertrauen kann. Aber die finden sich in jeder Generation…

 

Belohnen Sie Verlässlichkeit mit einem erhöhten Vertrauen. Z.B. in der Arbeitsortwahl. Dabei muss es gar nicht unbedingt das Home Office sein. Coworking Spaces sind eine hervorragende Alternative. Spannende neue Gesichter inklusive.
Wenn Sie Ihrem Mitarbeiter vertrauen können, dass die Arbeit gut erledigt wird, haben Sie ein offenes Ohr für scheinbar außergewöhnliche Wünsche wie das Arbeiten von einem anderen Land aus für eine bestimmte Zeit.
Und haben Sie jemanden vor sich, bei dem Sie sich nicht sicher sind, führen Sie ein offenes Gespräch und machen Sie die Konsequenzen deutlich. Wie auch immer diese geartet sein mögen.

 

Die Generationen Y und Z sind gar nicht so anders und unverständlich, wie manche vielleicht meinen. Es verlangt aber eine gewisse Offenheit und einen Blick über den Tellerrand.

 

Wie Sie Ihre Firmenstruktur weiterentwickeln, kann sehr individuell sein und es gibt nicht nur einen goldenen Weg.

 

Was Sie aber auf jeden Fall bedenken sollten, dass eine Ein-Weg-Autorität von oben schwer zu halten sein wird, wenn Sie Mitarbeiter einstellen wollen, die Ihr Unternehmen konkurrenzfähig halten sollen.

 

Denn die sind viel zu selbstbestimmt.

Text von Hannah Schmitt-Samuels.
Fotos von Kaboom Pics und StartupStockPhotos.