Generationen Y und Z – Wieso sind die eigentlich so anders?

 

Als ich für diesen Artikel recherchierte, musste ich feststellen, dass es ganz unterschiedliche Meinungen und Studienergebnissen zur Generation Y und sogar mehr zu der nachfolgenden Generation Z gibt.

 

Manche, wie dieser Wikipedia-Eintrag, meinen “anstelle von Status und Prestige rückten die Freude an der Arbeit sowie die Sinnsuche ins Zentrum. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit sind zentrale Forderungen der Generation Y: Sie will nicht mehr dem Beruf alles unterordnen, sondern fordert eine Balance zwischen Beruf und Freizeit.”

 

Andere, wie ich auch gerne in persönlichen Gesprächen erfahren habe, halten Generation Y für faul und egozentrisch, bzw. verstehen allgemein einfach nicht, was diese Menschen eigentlich wollen.

 

Zunächst ein paar grundsätzliche Dinge vorweg:

 

Wenn wir von der “Generation Y” sprechen, dann sprechen wir von einer ganzen Masse an Menschen. Theoretisch sprechen wir von all denen, die zwischen 1981 und ca. 1998 geboren wurden. Also innerhalb einer Zeitspanne von ca. 20 Jahren.

 

In diesen 20 Jahren ist viel passiert, sodass schon allein zwischen den ersten Y-lern und den späten Y-lern große Unterschiede bestehen können. Dann dürfen wir auch nicht vergessen, dass es für jede Generation zwei extreme Enden und eine breite Mitte gibt. Genau wie es in den 60ern und 70ern am einen Ende Hippies bzw. die Studentenbewegung gab und am anderen Ende Erzkonservative, so gibt es auch in der Generation Y am einen Ende die Weltverbesserer und Digitale Nomaden, und am anderen Ende diejenigen, die nie wirklich lange aus ihrer Gewohnheit herausgekommen sind und ähnlich gebunden leben wie ihre Eltern vor ihnen.

 

Diese Definitionsschwierigkeit haben wir bei Generation Z umso stärker, denn die Experten und Studien sind sich nicht einmal einig, wann denn nun Generation Z anfängt, wie lecturio.de erläutert:

 

“Je nach Forschungsinteresse und Budget der Umfrageinstitute wird die Generation Z zeitlich anders definiert. Wir fanden 1995 als das früheste und 2002 als das späteste Eintrittsdatum in die Generation. Auch der Begriff „Generation“ ist irreführend. Denn solche Studien würden tatsächlich alle jungen Menschen erfassen.

 

Tatsächlich aber findet eine Einschränkung dahingehend statt, dass nur bei den gebildeten und finanziell solide ausgestatteten Menschen von der Generation Z gesprochen wird. Auf der anderen Seite stehen die Verlierer der Generation: Das sind die perspektivlosen jungen Menschen, die aus schwach bemittelten und zerrütteten Elternhäusern kommen.”

 

Wenn ich hier für ganze Generationen spreche, dann spreche ich vor allem für diejenigen, die anders sind als die vorherigen Generationen – einfach, weil diese Leute am meisten Kopfschütteln verursachen.

 

Auf die Generation Z bezogen sehe ich sie vor allem als die Nachfolger der von der Generation Y begründeten Linie von Veränderungen – mit ihren ganz eigenen Fokussen und Bedürfnissen.

 

Work-Life-Balance, Sinn und Geld

 

Eine verhältnismäßig aktuelle Studie von Deloitte vom April 2016 kommt zu folgendem Schluss: “Eigentlich sind die Studenten von heute sehr flexibel – nur beim Geld hört es auf. Bezahlung sticht weitere Kriterien, die die Gen Y noch priorisierte.”

 

Und weiter: “An erster Stelle steht mit 62 Prozent die Entlohnung. Für 44 Prozent ist es wichtig, dass die Arbeit interessant ist und 43 Prozent legen Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima. Ob das Unternehmen innovativ ist, interessiert hingegen nur vier Prozent – und auch das Weiterbildungsangebot rangiert mit neun Prozent unter „ferner liefen“.”

 

Die Welt meint dazu: “Die „Sinnsuche“ endet auf dem Gehaltszettel”.

 

Was ist passiert?

 

Die Generation Y, der doch nachgesagt wird, dass sie wissen will, warum sie etwas macht. Die Generation, der nachgesagt wird, dass ihr Work-Life-Balance und Flexibilität über alles geht, stellt auf einmal Geld über alles?

 

Nun, diese Generation entwickelt sich weiter.

 

Die ersten von uns haben als Generation Praktikum die Erfahrung gemacht, dass unsere Arbeitskraft ohne wirkliches Entgelt ausgenutzt wurde. Wir haben auch erlebt, dass unsere Eltern keine großen Gehaltssteigerungen erwirken konnten. Dem sicheren Arbeitsplatz zu lieben, der sie nicht unbedingt glücklicher gemacht hat, sind sie wenig für sich eingestanden. Wir haben außerdem erfahren, dass der Lebensstil, den wir anstreben Geld erfordert (Laptop, Smartphone, Flugticket kostet alles was). Und wir haben durch zahlreiche Online-Coaches und Blogs gelernt, dass unsere Arbeit sehr wohl ihren Preis hat, den wir sonst auch durch unser eigenes Online-Business erwirtschaften können (in dieser Studie geben interessanterweise 46% an, dass sie sich vorstellen könnten, ein eigenes Start-up zu gründen!).

 

Also ja, natürlich wollen wir ein gutes Arbeitsklima, Work-Life-Balance, aber natürlich wollen wir auch bezahlt werden, was unsere Arbeit wert ist!

 

Nur, weil wir etwas mit Leidenschaft machen, heißt das nicht, dass wir es umsonst machen.

 

Und da sind wir auch schon beim zweiten Thema, das unsere Generation ausmacht: Leidenschaft und Eigenverantwortlichkeit.

 

Wir sind die Generation, die zu einem großen Teil von Eltern erzogen wurden, die sich Gedanken darum gemacht haben, wie sie mit ihren Kindern kommunizieren können, denen Persönlichkeitsentwicklung durchaus wichtig ist, die den Sinn von Bindung erkannt haben, und für die es selbstverständlich wie nie zuvor war, dass ihre Kinder die beste Bildung haben und sogar studieren sollten (egal ob Junge oder Mädchen!).

 

Oder, wie die Zeit schreibt:

 

“Sie hatten immer schon die Wahl. Von Geburt an wurden sie von der Generation X ihrer Eltern gefördert und gefeiert. Die volle Aufmerksamkeit ihrer “Helikopter-Eltern” war ihnen gewiss. Schon als Hosenmatze durften sie mitentscheiden, wohin die Familie in Urlaub fährt oder welches Auto angeschafft wird. Sie sind daran gewöhnt, sich entfalten und verwirklichen zu dürfen. Und all das, was sie in der Kindheit erfahren haben, erwarten die Neuen nun auch vom Arbeitgeber: Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache. Ständiges Feedback. Sie wollen Chefs, die wie Eltern sind und auf ihre Bedürfnisse eingehen.”

 

Wir sind auch die Generation, die praktisch gar nichts mehr von den Entbehrungen der Nachkriegszeit mitbekommen hat und mit einem komfortablen Wohlstand und vielen, vielen Möglichkeiten aufgewachsen ist.

 

Wenn meine Grundbedürfnisse und meine Sicherheit abgedeckt sind, kann ich mich auf andere Dinge konzentrieren. Pflichterfüllung der Pflichterfüllung wegen macht keinen Sinn mehr.

 

Ich möchte wissen, warum und wofür ich arbeite. Ich habe Ansprüche. Und mache mir ernsthafte Gedanken darum, was ich wirklich will in meinem Leben, wofür ich stehe und was eigentlich wirklich meine Interessen und Leidenschaften sind.

 

Denn eines ist klar: Wenn ich für etwas brenne, bin ich nicht zu stoppen.

 

Und leider ist es auch so, dass ich schnell weg bin, wenn mein Interesse erlischt.

 

Wobei wir bei der ersten Konsequenz für Arbeitgeber sind: Es nützt nichts, weiter zu erwarten, dass wir so sehr einen sicheren Job wollen, dass wir alles dafür tun werden, egal ob es uns erfüllt oder nicht, egal wie das Arbeitsklima ist, egal ob wir ernst genommen werden, egal wie mit uns umgegangen wird, egal wie die Bezahlung ist.

 

Besonders die hochqualifizierten Fachkräfte haben zu viel Auswahl. Und ziehen schnell wieder weiter. Zur Not gründen sie halt ihr eigenes Unternehmen…

 

Dies ist ein Trend, der sich mit Generation Z fortführen wird.

 

Auch, wenn Jobsicherheit und geregelte Arbeitszeiten wieder mehr in den Vordergrund treten werden, so wird die Selbst- und Mitbestimmung doch ein starkes Thema bleiben.

 

Alle Prognosen, wie sich Generation Z entwickeln wird, sind zwar noch mit Vorsicht zu genießen, allerdings erlebe ich gerade diese Generation durch meine eigene Tochter sehr stark und kann dem, was die Welt an anderer Stelle unter Berufung auf Jugendforscher Klaus Hurrelmann sagt, einiges abgewinnen:

 

“„Die Generation Z möchte eine feste Grundlage haben, beispielsweise feste Arbeitszeitkontingente.“ Diese wollen die Jugendlichen dann aber eigenverantwortlich erfüllen.”

 

Diese Generation wächst noch stärker als meine mit einem starken Bindungsgedanken und dennoch einer großen Selbstbestimmtheit auf.
Bindgungsgedanke nicht unbedingt im Sinne von Loyalität. Bindung im Sinne von Geborgenheit. Der Witz dabei ist, dass je sicherer ich meiner Bindung zu meinen Eltern bin, desto mehr kann ich mir herausnehmen. Ich weiß schließlich, egal was kommt, egal was ich anstelle, am Ende haben mich meine Eltern immer noch lieb und stehen zu mir.

 

Was Konsumgüter und Möglichkeiten betrifft, sind sie noch stärker verwöhnt als meine, denn schließlich ist es normal geworden, dass ihre Eltern ein doppeltes Einkommen haben (mit Ausnahme von den vielen Alleinerziehenden. Aber auch meine Tochter hat trotz zeitweiliger Alleinerziehendenzeit wesentlich mehr hinterhergeworfen bekommen als ich damals). Und sie sind mit dem Internet aufgewachsen, was in erster Linie die selbstverständlich gewordenen Möglichkeiten verstärkt.

 

Für sie gilt also noch viel stärker: Ich hätte gerne eine tolle Firma, die mit mir kuschelt, aber wenn es mir nicht mehr passt, bin ich weg.

 

Und: Kommunikation, Feedback und Ernst-genommen-werden sind ein absolutes Muss.

 

Schließlich, so Country Manager Stefan Lake bei Universum auf saatkorn:

 

“Die Angehörigen dieser Generation sind als Digital Natives aufgewachsen. Sie sind an permanente Kommunikation und Feedback gewöhnt. Und diesen Anspruch übertragen sie auch in die Arbeitswelt. Deshalb überrascht es nicht, dass offene Kommunikation und Feedback die wichtigsten sind, wenn man danach fragt, was inspirierendes Management für sie bedeutet.”

 

Vielleicht klingt das für den ein oder anderen furchtbar lästig und verwöhnt.

 

Vielleicht ist es zum Teil auch so.

 

Aber dennoch: Sie haben jetzt, wie nie zuvor, die Möglichkeit, mit selbst denkenden Leuten zusammen zu arbeiten. Mit Leuten, die über die Pflicht hinaus ernst nehmen, was sie machen. Mit Leuten, die sich Gedanken um sich und ihre Umwelt machen. Die durchaus kritisch hinterfragen.

 

Schlussendlich mit Leuten, die perfekt für Think Tanks und Innovation sind.

 

Um das Potential der Generation Y und auch Z voll zu entfalten, gibt es einige Möglichkeiten. Konkrete Tipps dazu gibt es im nächsten Teil.

Text von Hannah Schmitt-Samuels.
Fotos von Tranmautritam, Shira Gal, Cowork Klitmøller and AlphaLab Startup Accelerator.